Konzertbesuch "Small Gifts"

Text von Lara Grabitz, Studierende der Physik und Chemie.

„Small gifts”- so hieß das Konzert, dass wir als Q+Studierende am 13. Juli in Wiesbaden besuchten. Im Rahmen des Rheingau Musik Festivals konzertierte der international bekannten und ausgezeichneten Countertenor Andreas Scholl, die Flötistin und Professorin für Alte Musik, Dorothee Oberlinger, und das Ensemble 1700 in der Lutherkirche.

In einem Einführungsseminar der Musikwissenschaftlerin Dr. Gabriela Krombach erhielten wir einen Überblick über die Barockepoche, die historische Aufführungspraxis und erfuhren unter anderem wie der Konzerttitel zustande kam. Er geht zurück auf einen Brief Bachs, in dem er seine Musik als kleine Gabe beschreibt. Zudem erarbeiteten wir uns einen Überblick über die aufgeführten Werke Bachs, Handels und Vivaldis, deren Viten und typische musikalische Stilelemente.

Am Morgen des Konzertes durften wir an der Generalprobe teilnehmen. Als Amateurmusikerin empfand ich es als Privileg mitzubekommen, wie Profiorchester miteinander arbeiten und wie dort eine Generalprobe abläuft. Es war faszinierend mitzubekommen, wie selbst kleine Veränderungen in der Sitzordnung oder Instrumentierung eine großen Einfluss auf die Musik hatten und wie die Musiker den Raum als Klangkörper bewusst nutzen.
Danach stand Dorothee Oberlinger für unsere Fragen zur Verfügung und erläuterte u.a. das „Konzept“ des Konzerts, warum z.B. der Abend mit einem bestimmten Werk begonnen oder abgeschlossen wird und was die Künstler/innen beim Publikum dadurch erwirken wollen.

Ab 20.00 h nahmen wir dann am restlos ausverkauften, geradezu fulminanten und begeisternden Konzert in der wunderschön illuminierten Jugendstil-Lutherkirche teil und konnten erleben, wie sich die Konzertdynamik durch die musikalische Korrespondenz der Künstler/innen mit ihrem Publikum nochmals veränderte.
Das Publikum und die Q+Studierenden bedankten sich mit minutenlangem „Standing ovations“.

Obwohl ich seit vielen Jahren gerne Barockmusik höre und spiele hat dieses Seminar meinen Zugang zu Barockmusik verändert. Vorher habe ich besonders die klare Struktur dieser Musik geschätzt und sie häufig relativ nüchtern gehört. Vor allem nach der gefühlvollen Interpretation von Frau Oberlinger, deren Einsatz und Liebe zu dieser Musik auch mit bloßen Auge erkennbar war, ist mein Zugang zur Barockmusik ein viel emotionalerer. Statt Strukturen höre ich nun Empfindungen, Stimmungen und Gefühle.

Veröffentlicht am